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In den nächsten Monaten nehme ich meine Lieder professionell auf.

 

Bis dahin findet ihr hier ein paar ganz rohe Demos und Videos zum Nachhören inklusive der Liedtexte.

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1. gruber demo.m4a
MP3 Audio Datei 9.8 MB

Die Ballade von Herrn Gruber

Herr Gruber wollte nur Brötchen holen gehn, da fiel er in ein Loch, das Loch war ziemlich tief, Herr Gruber war sehr klein, jetzt sitzt er hier allein und denkt sich - och.

 

Er wollte die Brötchen mit Butter beschmiern und dann kamen Käse und Wurst, das wird jetzt nicht passiern, denkt Herr Gruber in dem Loch,  doch wer weiß, vielleicht ist das hier ja ne Chance.


Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt an sich als Kind, er wollte so gerne zur See, viele fremde Länder sehn und echte Abenteuer leben, doch niemand sagte: Trau dich, Gruber, geh!

 

Er fand einen Job bei ner Versicherung und blieb dann einfach da, sitzt seit vierundvierzig Jahren in demselben Büro - kneif mich, das ist doch jetzt nicht wahr!

 

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt: Ich muss hier raus, aus dem Loch, dem Job, der Stadt, muss endlich mal was wagen, ich hab nicht mehr so viel Zeit, bin jetzt bereit für das, was man so macht,

 

wenn man endlich einmal lebt und sich nicht nur treiben lässt, Problem ist jetzt nur das Loch. Herr Gruber stellt sich hin und schreit mit aller Kraft: Hallo, ich bin hier unten, hört mich doch!

 

Frau Meier aus dem Blumenladen hört Grubers Schrei und alarmiert die Feuerwehr, sie holen Gruber raus und Gruber freut sich sehr, er flüstert ihr ins Ohr: Jetzt sind wir frei.

 

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alles, was du brauchst, in einen Koffer passt, und selbst den Koffer stellst du irgendwo mal ab.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.

 

Herrn Gruber haben sie hier nie mehr gesehn und auch Frau Meier gab den Blumenladen auf, sie kauften sich ein Schiff, sagt man, und fahren jetzt um die Welt, bis die Welt um sie zusammenfällt.

 

Das Loch, in das Herr Gruber damals fiel, wurde als sehr gefährlich eingestuft, man schüttete es zu, es ist jetzt wirklich weg, nur ein Haufen Dreck erinnert an sein Lied:

 

Vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.


Zeit der Wurst

Der kleine Junge an der Wursttheke bekommt ne Scheibe Wurst und freut sich sehr. Er bedankt sich artig, seine Mutter lächelt stolz und ich denke: Irgendwann ist das vorbei, dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, dann hilft auch kein Geschrei an der Kasse, wenn du einen Schokoriegel willst und dein Geld zu Hause vergessen hast oder auf Diät bist, lass den Schokoriegel los, du bist jetzt groß.

Hey kleiner Junge, ich find's wunderbar, wie unbeschwert du deine Wurst kaust. Und wie selbstverständlich du die Freundlichkeiten nimmst und zuversichtlich in das Leben schaust. Alle Möglichkeiten scheinen offen, du bist ein kleiner Meister im Wünschen und Hoffen, genieß die Zeit, du bereust es sonst nachher, denn glaub mir: Bald ist das vorbei und dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, dann hilft auch kein Geschrei, wenn du etwas willst und es nicht kriegst und es versuchst und es nochmal versuchst und es trotzdem nicht kriegst, zum Beispiel Liebe, lass das Wollen los, du bist jetzt groß.

Dem kleinen Jungen an der Wursttheke fällt der Rest der Scheibe Wurst aus der Hand, oh nein. Er sieht ganz traurig, wie sie auf den Kacheln liegt und ärgert sich leicht in sich hinein. Die Frau hinter der Theke sagt: Das macht nichts, ich werd dir gleich eine neue geben. Doch die Mutter sagt: Nein! Das werden sie nicht! Mein Junge lernt hier jetzt etwas für's Leben. Sie sagt: Junge, wenn du etwas hast, dann halt dich mit ganzer Kraft daran fest, denn wenn du es verlierst, dann ist es weg, und denk daran, Fehler verzeiht man dir nicht. Sie sagt: Das klingt jetzt hart mein Junge, doch so ist es eben, nur wenn du härter bist als andre kommst du weiter im Leben, du lernst das besser jetzt, weil die Welt dich sonst zerbricht. - Und ich denke: Puh, so schön, wie ich dachte, ist deine Kindheit doch nicht!

Doch bald bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, sehn sie schon mal herbei, diese Zeit in der du mit ein bisschen Glück lernst, dass das alles nicht stimmt, dass es wirklich nicht stimmt, was man dir erzählt hat, lass es schon mal gehn und du wirst ...

... sehn, dass du nicht nur ne Scheibe Wurst verlierst, sondern noch viel mehr, das ist klar. Und es stimmt nicht, dass du keine Fehler machen darfst, du musst es sogar. Und weil ich jetzt schon so klinge, wie Cat Stevens in den siebziger Jahrn, just relax, take it easy, und du wirst irgendwann erfahrn, dass du nicht ewig alles werden kannst, irgendwann sind die Möglichkeiten zu, und das was übrig bleibt, das magst du dann besser, denn das was übrig bleibt, das bist du. Zum Beispiel kannste mit Anfang vierzig kein Konzertpianist mehr werden, weil die können schon alles alles alles, bevor sie sich überhaupt an der Musikhochschule bewerben. Außer du bist bereits Konzertpianist, aber auch dann kannst du's ja nicht mehr werden, denn das, was du bist, ist ja schon Konzertpianist. Aber auch die sind nicht immer glücklich, die sind oft Alkoholiker, weil Musiker sind oft Alkoholiker, das hat mir'n Freund von der Musikhochschule erzählt, die sind zwar kreativ und verdienen gutes Geld und sehn viel von der Welt, darum macht es einen ja auch so betroffen, nach den Konzerten wird immer gesoffen, zum Runterkommen, und wenn der Abend dann vorbei ist, wird ne Flasche Champagner mit aufs Hotelzimmer genommen. Und weil er dann da ganz alleine ist, der Konzertpianist, mit seiner Musik im Kopf, trinkt er den Champagner leer, dann hört er die Musik nicht mehr, dann ist es endlich still, endlich still ...

... worauf ich aber eigentlich hinauswill: Bald bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, sehn sie schon mal herbei, diese Zeit, in der du lernst, dass du alles, was du liebst, irgendwann mal verlierst und es dann wirklich verlierst - tja, lass es schon mal los und du bist groß.