lieder & texte

Aktuell nehme ich meine Lieder professionell auf. Bis dahin findet ihr hier ein paar ganz rohe Demos und Videos inklusive der Liedtexte.


1. Die Ballade von Herrn Gruber (Demo)
2. Zeit der Wurst (live)
3. Pommes (live)
4. Tischtennisplatten (Demo)

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1. gruber demo.m4a
MP3 Audio Datei 9.8 MB

1. Die Ballade von Herrn Gruber

Herr Gruber wollte nur Brötchen holen gehn, da fiel er in ein Loch, das Loch war ziemlich tief, Herr Gruber war sehr klein, jetzt sitzt er hier allein und denkt sich - och.

 

Er wollte die Brötchen mit Butter beschmiern und dann kamen Käse und Wurst, das wird jetzt nicht passiern, denkt Herr Gruber in dem Loch,  doch wer weiß, vielleicht ist das hier ja ne Chance.


Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt an sich als Kind, er wollte so gerne zur See, viele fremde Länder sehn und echte Abenteuer leben, doch niemand sagte: Trau dich, Gruber, geh!

 

Er fand einen Job bei ner Versicherung und blieb dann einfach da, sitzt seit vierundvierzig Jahren in demselben Büro - kneif mich, das ist doch jetzt nicht wahr!

 

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt: Ich muss hier raus, aus dem Loch, dem Job, der Stadt, muss endlich mal was wagen, ich hab nicht mehr so viel Zeit, bin jetzt bereit für das, was man so macht,

 

wenn man endlich einmal lebt und sich nicht nur treiben lässt, Problem ist jetzt nur das Loch. Herr Gruber stellt sich hin und schreit mit aller Kraft: Hallo, ich bin hier unten, hört mich doch!

 

Frau Meier aus dem Blumenladen hört Grubers Schrei und alarmiert die Feuerwehr, sie holen Gruber raus und Gruber freut sich sehr, er flüstert ihr ins Ohr: Jetzt sind wir frei.

 

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alles, was du brauchst, in einen Koffer passt, und selbst den Koffer stellst du irgendwo mal ab.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.

 

Herrn Gruber haben sie hier nie mehr gesehn und auch Frau Meier gab den Blumenladen auf, sie kauften sich ein Schiff, sagt man, und fahren jetzt um die Welt, bis die Welt um sie zusammenfällt.

 

Das Loch, in das Herr Gruber damals fiel, wurde als sehr gefährlich eingestuft, man schüttete es zu, es ist jetzt wirklich weg, nur ein Haufen Dreck erinnert an sein Lied:

 

Vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.


2. Zeit der Wurst

Der kleine Junge an der Wursttheke bekommt ne Scheibe Wurst und freut sich sehr. Er bedankt sich artig, seine Mutter lächelt stolz und ich denke: Irgendwann ist das vorbei, dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, dann hilft auch kein Geschrei an der Kasse, wenn du einen Schokoriegel willst und dein Geld zu Hause vergessen hast oder auf Diät bist, lass den Schokoriegel los, du bist jetzt groß.

Hey kleiner Junge, ich find's wunderbar, wie unbeschwert du deine Wurst kaust. Und wie selbstverständlich du die Freundlichkeiten nimmst und zuversichtlich in das Leben schaust. Alle Möglichkeiten scheinen offen, du bist ein kleiner Meister im Wünschen und Hoffen, genieß die Zeit, du bereust es sonst nachher, denn glaub mir: Bald ist das vorbei und dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, dann hilft auch kein Geschrei, wenn du etwas willst und es nicht kriegst und es versuchst und es nochmal versuchst und es trotzdem nicht kriegst, zum Beispiel Liebe, lass das Wollen los, du bist jetzt groß.

Dem kleinen Jungen an der Wursttheke fällt der Rest der Scheibe Wurst aus der Hand, oh nein. Er sieht ganz traurig, wie sie auf den Kacheln liegt und ärgert sich leicht in sich hinein. Die Frau hinter der Theke sagt: Das macht nichts, ich werd dir gleich eine neue geben. Doch die Mutter sagt: Nein! Das werden sie nicht! Mein Junge lernt hier jetzt etwas für's Leben. Sie sagt: Junge, wenn du etwas hast, dann halt dich mit ganzer Kraft daran fest, denn wenn du es verlierst, dann ist es weg, und denk daran, Fehler verzeiht man dir nicht. Sie sagt: Das klingt jetzt hart mein Junge, doch so ist es eben, nur wenn du härter bist als andre kommst du weiter im Leben, du lernst das besser jetzt, weil die Welt dich sonst zerbricht. - Und ich denke: Puh, so schön, wie ich dachte, ist deine Kindheit doch nicht!

Doch bald bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, sehn sie schon mal herbei, diese Zeit in der du mit ein bisschen Glück lernst, dass das alles nicht stimmt, dass es wirklich nicht stimmt, was man dir erzählt hat, lass es schon mal gehn und du wirst ...

... sehn, dass du nicht nur ne Scheibe Wurst verlierst, sondern noch viel mehr, das ist klar. Und es stimmt nicht, dass du keine Fehler machen darfst, du musst es sogar. Und weil ich jetzt schon so klinge, wie Cat Stevens in den siebziger Jahrn, just relax, take it easy, und du wirst irgendwann erfahrn, dass du nicht ewig alles werden kannst, irgendwann sind die Möglichkeiten zu, und das was übrig bleibt, das magst du dann besser, denn das was übrig bleibt, das bist du. Zum Beispiel kannste mit Anfang vierzig kein Konzertpianist mehr werden, weil die können schon alles alles alles, bevor sie sich überhaupt an der Musikhochschule bewerben. Außer du bist bereits Konzertpianist, aber auch dann kannst du's ja nicht mehr werden, denn das, was du bist, ist ja schon Konzertpianist. Aber auch die sind nicht immer glücklich, die sind oft Alkoholiker, weil Musiker sind oft Alkoholiker, das hat mir'n Freund von der Musikhochschule erzählt, die sind zwar kreativ und verdienen gutes Geld und sehn viel von der Welt, darum macht es einen ja auch so betroffen, nach den Konzerten wird immer gesoffen, zum Runterkommen, und wenn der Abend dann vorbei ist, wird ne Flasche Champagner mit aufs Hotelzimmer genommen. Und weil er dann da ganz alleine ist, der Konzertpianist, mit seiner Musik im Kopf, trinkt er den Champagner leer, dann hört er die Musik nicht mehr, dann ist es endlich still, endlich still ...

... worauf ich aber eigentlich hinauswill: Bald bist du erwachsen, dann ist die Zeit der Wurst vorbei! Dann bist du erwachsen, sehn sie schon mal herbei, diese Zeit, in der du lernst, dass du alles, was du liebst, irgendwann mal verlierst und es dann wirklich verlierst - tja, lass es schon mal los und du bist groß.


3. Pommes

Beim ersten Salat hab ich gedacht: Das ist ne gute Idee, das ist gesund. Beim zweiten Salat hab ich gedacht: Das ist jetzt wichtig nach deinem ärztlichen Befund. Deine Fett- und Cholesterinwerte sind metaphysisch, dein Zucker an der Grenze zu kritisch. Du sagtest: Schatz, so geht das nicht weiter, ab jetzt achte ich auf meinen Körper. Ich sagte: Hey, das ist sicherlich nicht verkehrt, wir habn uns viel zu lange postfaktisch ernährt. Gib mir noch ne Gurke, schäl mir noch ne Banane, ein Hoch auf deine Gewichtsabnahme!

Doch beim dritten Salat hab ich gemerkt: Das reicht nicht aus, ich brauche mehr. Salat macht mich nicht glücklich und satt, dich schon, ich liebe dich zwar sehr! Und will dich in allem, was du tust, supporten, nur leider verteufelst du alle Brotsorten. Kohlenhydrate, sagst du, sind unser Feind, und im Kampf gegen ihn sind wir beide vereint. Ich nicke und ich lächle und ich weiß, dass ich lüge, weil ich dich schon längst betrüge, denn immer nachts, wenn du schläfst, schleiche ich mich aus dem Haus und esse heimlich ...

Pommes und nen Burger dazu, Pommes und ne Pizza dazu, Pommes und nen Döner dazu, Pommes mit Mayo. Ich esse heimlich Pommes im Straßenverkauf, Pommes, ich bin ja auch nicht stolz drauf, Pommes, jede Nacht, denn der einzige Imbiss, der so spät noch auf hat, verkauft Pommes - mit Mayo.

Das geht jetzt schon ne ganze Weile so, ich fürchte, langsam schöpfst du Verdacht. Du fragst mich: Sag mal, hast du zugenommen von Salat, wie hast du das gemacht? Ich sage: Ja, das kann schon sein, äh, ich bin ja auch kleiner, und mein Grundumsatz ist viel geringer als deiner. Ernährungsphysiologisch macht das bei mir Sinn, wenn ich weniger esse, werd ich erstmal dicker und nicht dünn, weil mein Körper alles speichert als sei Hungesnot. Du sagst: Du liebe Güte, dann iss doch ein paar Scheiben Brot. Ich sage: Nein, Brot ist der Feind und der Feind ist besiegt! Du sagst: Dann iss doch mal ne Pommes, die hast du früher so geliebt. Da werde ich blass und ich fange an zu schwitzen und ich denk an all die heimlichen Pommes, Burger, Pizzen. Ich sage: Nein! Dem Fastfood hab ich für dich entsagt! Ich lieb dich mehr als Pommes und das ist ein Fakt. Da schaust du mich an, so verliebt wie nie. Und ich schäm mich für jede ...

Pommes, die ich heimlich verzehrte. Pommes, dieser Zerfall meiner Werte. Pommes, ich bin zu weit gegangen, nämlich hin zu all den nächtlichen, heimlichen Pommes mit Mayo. Iss doch mal ne Pommes, das wär mein Ausweg gewesen. Pommes, warum musst ich weiter lügen? Pommes, jetzt komm ich hier nicht mehr raus aus diesem Doppelspiel aus Verrat und Intrigen und Pommes - mit Mayo.

Die nächste Nacht und wieder lieg ich wach neben dir und hab nur eins im Sinn. Eine Stimme in mir flüstert leise: Bleib hier, eine andre schreit: Geh hin! Zu dem Imbiss an der Ecke, man erwartet dich dort, jetzt lass doch all deine Gewissensbisse fort, beiß lieber in nen Burger und genieß das Frittierte, weil noch niemand, der genießt, sich wirklich irrte. Ich schleich mich aus dem Haus, oh ich tu's also wieder, ein voller Mond schaut enttäuscht auf mich nieder, und auf meinem Weg wird mir klar, was ich zu dir sagte ist nicht wahr, denn ich liebe ...

Pommes, ganz genau so wie dich. Pommes, ich bin jetzt endlich ehrlich. Pommes füll'n eine Leere in mir aus, oh diese knusprige, salzige Wärme einer Pommes.

Es wäre sicher anders, wenn es wirklich um was ginge, wenn du und eine Pommes an einem Abgrund hingen, dann würde ich dich retten, alles andre wär brutal, denn Pommes krieg ich immer wieder, dich gibt's nur einmal.


Vielleicht ist mein Eingeständnis auch der Beginn von unsrem Ende, weil ich schon ganz bald keine Ausreden mehr fände, für die Kilos auf den Hüften und die Pickel im Gesicht, und dann müsste diese Wahrheit neben den Salat auf den Tisch: Du hast gesagt, du liebst mich, und ich sagte: Ich dich auch - das war vielleicht zu leicht, so leicht wie meine Antwort: Mayo, auf die Frage: Kommt was drauf?


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Tischtennisplatten.m4a
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4. Tischtennisplatten

Zerrissene Jeans und jede Woche eine neue Haarfarbe, Grün ging gar nicht, aber Blau, das sah gut aus und das wächst ja raus. Weißte noch Susanne?  Die musste um 18 Uhr zu Hause sein. Susanne sagte zu allem: Amen und Ja, wir sagten zu allem: Nein (auch zu Susanne). Die Stadt in der Nacht, eine erste Zigarette auf dem Spielplatz, wir kickten Coladosen gegen die Wand, Jugend ohne Zukunft, Welt ohne Dosenpfand.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär' jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Das Leben ist kein Kampf, das Leben ist Lachen und Alf zitiern, Sommerferien und Wassereis, auf 'ne frisch gestrichne Wand ein paar Sprüche schmiern. Tage im Wald, ein Skateboard und aufgeschlagene Knie, in deinem Keller wohnte Pennywise, wir werden ihn besiegen, wir wussten schon wie, aber erstmal mit ein paar Groschen zum Kaugummiautomaten an der Ecke, warmer Regen und Erdbeergeschmack, man weiß halt nur was man hat, wenn man es hat.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär' jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Wir konnten alle Lieder von Meat Loaf mitsingen, auch die ganz langen, das musste erstmal bringen, 12 Minuten 'n einziger Song, when everything's right, nothing is wrong. Leere Zimmer, die Poster aus der Bravo längst im Altpapier, die Freundschaftsbändchen fielen von alleine ab, am Bahnbann ein Graffiti - wir waren hier. Ein erstes Tattoo und Jahre später immer noch wissen: niemand konnte was wir wirklich sind zerstörn, spul mal zurück, ich will das Lied nochmal hörn.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär' jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Es ist wirklich vorbei, doch wir waren da, objects in rear view mirror may appear closer than they are.