Lieder & Texte

Aktuell nehme ich meine Lieder in Zusammenarbeit mit Markus Schimpp auf, der mit seiner Kreativität und seinem Können ganz wunderbare Arrangements zaubert. Die Ergebnisse findet ihr nach und nach auf YouTube - dort und weiter unten auf dieser Seite gibt es auch alle Liedtexte.

1. Alles verloren

Ich hab alles verloren, was man verlieren kann,

nicht nur nen Schlüssel oder nen Handschuh oder nen Lieblingsschal,
obwohl das auch ganz schön blöd ist,
wenn man diese Dinge verliert (oder alle auf einmal),

denn dann steht man draußen und friert.

Ich hab alles verloren, was man verlieren kann,

und es fühlt sich an, ich weiß nicht wie, ein Bildungsroman,

in dem der Held alle wegstößt und sich dann fragt:

Warum bin ich allein?

Und er glaubt, das muss so sein - nein.

Ich hab alles verloren, was man verlieren kann,

und jetzt wo wirklich alles weg ist,

denk ich nicht nochmal daran,

nochmal alles anzuhäufen,

denn ich weiß ja jetzt was passiert -

man hat es und wartet darauf, dass man's wieder verliert.

 

Und weise wirst du nie, sorry,

nur einer der nicht tanzen kann tanzt,

und weil er immer wieder hinfällt,

wird er zum Tänzer,

und dann sagt er: Komm, tanz mit,

es ist alles so einfach.

Ich hab alles verloren, was man verlieren kann,

und ganz egal, was ich alles glaubte,

heute glaub ich nur noch daran,

dass wenn du etwas wirklich frei lässt

und es kommt dann zu dir zurück,

dann ist es auch nicht deins,

dann hattest du bloß Glück.

Und weise wirst du nie, sorry,

nur einer der nicht tanzen kann tanzt,

und weil er immer wieder hinfällt,

wird er zum Tänzer,

und dann sagt er: Komm, tanz mit,

es ist alles so einfach.


Und schöner wird es nie, sorry,

das sind jetzt schon die guten alten Tage,

an die wir uns irgendwann mal erinnern,

wenn fast keine Zeit mehr bleibt,

es ist wirklich so einfach,

 

alles  zu verlieren, was man verlieren kann,

dann ist es weg, dann tut's noch weh,

du hängst halt noch dran,

bis du endlich einsiehst,

und das ist schon komisch irgendwie,

was du verlieren kannst, das hattest du nie.

 

Und schöner wird es nie, sorry,

das sind jetzt schon die guten alten Tage,

an die wir uns irgendwann mal erinnern,

wenn fast keine Zeit mehr bleibt,

es ist wirklich so einfach.

Und heile wirst du nie, sorry,

doch kannste aus dem Schmerz jetzt was machen,

lachen und einfach irgendwo beginnen,

denn du bist nicht mehr allein,

siehste, so einfach kann es sein.


2. Hetero

Versteh mich bitte nicht falsch,

du bist das Beste, was mir passieren kann,
und wenn wir Arm in Arm durch die Innenstadt gehn,

denk ich: Wow, an meiner Seite dieser schöne Mann.

 

Du hast ein großes Herz

und dein Lächeln ist unbeschreiblich,

du sagst: Mit dir kann ich in Liebesfilmen weinen,

du bist der Hauptgewinn, ein Lover und ne beste Freundin.

Doch bei der Karaoke singst du immer 'I am what I am',

und ich hatte schon die Ahnung, das ist alles viel zu schön,

obwohl es wahr ist, gerade weil es wahr ist, hört mir zu,

ich weiß hier leider mehr als du ...

Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,

auch wenn du mich nachts im Regen küsst,

ich bin mir sicher, dass du auf Männer stehst

und bald schon durch die Tür da gehst.

 

Und immer wenn du in meinen Armen liegst,

flüster ich ein leises Goodbye,

es gibt keine Zukunft für uns zwei

und weit und breit kein Happy End, nur diesen Moment.

 

Du hast mir so viel gezeigt,

bei dir lernte ich, mich  selbst zu lieben,

und wenn wir später unsre Geschichten erzähln,

denk ich: Mensch, bei dir wär ich gern geblieben.


Doch bald schon kommt dein Märchenprinz

und dann räume ich unser Schloss,

und ich wünsch euch nur das Beste

und dann lass ich dich einfach los,

obwohl es weh tut, gerade weil es weh tut, ist es nicht verkehrt,

ich habe noch was, was ich vermissen werd.


Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,

auch wenn du mir eine Träne wegküsst,

ich bin mir sicher, dass du Männer magst,

auch wenn du jetzt noch mal 'Ich liebe dich' sagst.

 

Dein Weg führt über den Regenbogen

und da komme ich nicht mehr mit,

für uns gibt es kein großes Glück,

es gibt nur die Vergangenheit und die Zeit die bleibt.


Es ist doch ganz egal, ob du mir jetzt glaubst oder nicht,

was passieren wird, das passiert unvermeidlich,

alles, was wir haben ist nur auf Sand gebaut,

und bald feiern wir halt dein Coming Out ...

Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,
auch wenn du mich nachts im Regen küsst,
ich bin mir sicher, dass du auf Männer stehst

und bald schon von mir fortgehst.

Und wenn du jetzt in meinen Armen liegst,

dann verstehst du mein leises Goodbye,

es gibt keine Zukunft für uns zwei

und leider auch kein Happy End, nur diesen Moment.

Dein Weg führt über den Regenbogen

und da komme ich nicht mehr mit,

für uns gibt es kein großes Glück,

es gibt nur die Vergangenheit und die Zeit, die bleibt.


3. Party im Büro

Plötzlich sind alle jünger als du
und haben auch noch deine Träume erreicht.
Du sitzt vor dem Scherbehaufen Leben
und fragst dich: Wer war ich doch gleich? 

Du hast jetzt ne Katze und achtest auf dein Gewicht,
du googelst dich selber und findest dich nicht,
irgendwas läuft hier ganz schön schief ...

Warum bist du nicht froh?
Morgen ist Party im Büro,
da freun sich doch alle alle alle drauf seit Wochen,
der Jochen wird vierzig, das ist was zum Fröhlichsein,
jetzt schau doch nicht immer so traurig drein,
sei froh, dass du eine Stelle hast,
denn in der heutigen Zeit heißt das Sicherheit,
unbefristete Sicherheit.

Und wer ne Stelle hat,
macht nen Nudelsalat.
Für den Jochen und die Gisela,
die findet den Salat ganz wunderbar,
deinen unbefristeten Nudelsalat.

Früher, da warst du anders als jetzt,
den Kopf voll Konfetti, die Nase im Wind.
Du saßt kirchenessend in riesigen Bäumen,
die Zeit war, was kommt, noch nicht das, was zerrinnt. 

Du bist schon lang Single

und sagst, dir sei das ganz recht,

bist heimlich bei Tinder, doch hast nie ein Match,

irgendwie ist das nicht gerecht ...

Warum bist du nicht froh?
Morgen ist Party im Büro,
da freun sich doch alle alle alle drauf seit Tagen,
der Hagen backt extra nen Kuchen für Jochens Fest,
das geht nicht, dass du dich jetzt hängen lässt,
traurig sein geht hier überhaupt nie,
denn das passt nicht zur Corporate Identity,
wenigstens gibt's hier Identity.

Und wer Identity hat,
macht nen Nudelsalat.
Für den Jochen mit Gürkchen

und schneidet ein paar Putenbockwürsten,

in den identitären Nudelsalat.

Morgens im Starbucks, da fragt man dich nett:

Wie heißt du, ich schreib's auf den Becher hier drauf?
Du sagst einen Namen, der ist gar nicht deiner
und setzt ein verwegenes Lächeln auf.

Du fährst mit der Bahn und dem Nudelsalat ins Büro,
am Eingang steht Jochen und sagt: Hallo,
stell den Salat auf den Tisch, du weißt wo, denn ...


heute sind wir hier froh,
heute ist Party im Büro,
da freun wir uns alle, alle, alle riesig drauf,
der Haufen an Arbeit, der bleibt heute unberührt,
nicht dass da sonst jemand nen Drang verspürt,
nur heute ist alles anders hier,
wir feiern Jochen und uns von acht bis vier,
tanzen und lachen von acht bis vier.

Wir haben heute Spaß. Und heben das Glas

auf den Jochen und das Leben.

Du musst mir mal das Rezept geben

von deinem lebensbejahenden Nudelsalat.

Abends zu Hause putzt du dir die Zähne
und denkst: Ach, das Leben war doch gut bisher,

man muss seine Träume nicht unbedingt leben,

denn dann sind es ja keine Träume mehr.

 

Du gehst kurz ins Netz, schaust die Fotos von heute an,

der Jochen hat alles auf Facebook getan,

du klickst 'gefällt mir' und fragst dich dann ...


Warum bin ich nicht froh?
Heute war Party im Büro,

da hatten doch alle, alle, alle nen riesen Spaß,

jetzt lass doch das Grübeln es ist alles halb so wild,

du siehst fröhlich aus auf dem Partybild,

dann fehlt der Geschichte hier eben der Held,

dafür gibt es Urlaub und Weihnachtsgeld,

bezahlten Urlaub und Weihnachtsgeld,

das ist es, was dich hier hält,

und im Urlaub siehst du die Welt,

die Kollegen sind alle lieb,

später die Rente vom Betrieb,

vielleicht wirst du ein Häuschen baun,

siehste das ist doch auch ein Traum,

und es sind nur acht Stunden am Tag

und immer wieder der Nudelsalat,

immer wieder der Nudelsalat,

immer wieder der Nudelsalat,

immer wieder der Nudelsalat ...


4. Die Ballade von Herrn Gruber

Herr Gruber wollte nur Brötchen holen gehn, 
da fiel er in ein Loch, 
das Loch war ziemlich tief,

Herr Gruber war sehr klein, 
jetzt sitzt er hier allein und denkt sich: Och.

Er wollte die Brötchen mit Butter beschmiern 
und dann kamen Käse und Wurst,
d
as wird jetzt nicht passiern,

denkt Herr Gruber in dem Loch, 
doch wer weiß, vielleicht ist das hier ja ne Chance.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, 
wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, 
wenn du nicht weißt, was kommt, 
wenn du keine Pläne hast, 
wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, 
wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist,

wenn du in den Spiegel schaust und denkst:

Ich mag dich richtig gern, 

weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt an sich als Kind, 

er wollte so gerne zur See, 

viele fremde Länder sehn und echte Abenteuer leben, 

doch niemand sagte: Trau dich, Gruber, geh.

Er fand einen Job bei ner Versicherung

und blieb dann einfach da, 

sitzt seit vierundvierzig Jahren in demselben Büro,

kneif mich, das ist doch jetzt nicht wahr.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, 

wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, 

wenn du nicht weißt, was kommt, 

wenn du keine Pläne hast, 

wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, 

wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, 

wenn du in den Spiegel schaust und denkst:

Ich mag dich richtig gern, 

weil du lachst und deine Träume lebst.

 

Herr Gruber in dem Loch denkt: Ich muss hier raus,

aus dem Loch, dem Job, der Stadt, 

ich muss endlich mal was wagen, 

ich hab nicht mehr so viel Zeit, 

bin jetzt bereit für das, was man so macht,

wenn man endlich einmal lebt

und sich nicht nur treiben lässt,

Problem ist jetzt nur das Loch,

Herr Gruber stellt sich hin und schreit mit aller Kraft: 

Hallo, ich bin hier unten, hört mich doch!

 

Frau Meier aus dem Blumenladen hört Grubers Schrei

und alarmiert die Feuerwehr,

sie holen Gruber raus

und Gruber freut sich sehr, 

er flüstert ihr ins Ohr: Jetzt sind wir frei.

 

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, 

wenn du nichts mehr zu verlieren hast, 

wenn alles, was du brauchst, in einen Koffer passt, 

und selbst den Koffer stellst du irgendwo mal ab.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, 

wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, 

die neuen, die du triffst,

die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.

 

Herrn Gruber haben sie hier nie mehr gesehn 

und auch Frau Meier gab den Blumenladen auf,

sie kauften sich ein Schiff, sagt man, 

und fahrn jetzt um die Welt, 

bis die Welt um sie zusammenfällt.

 

Das Loch, in das Herr Gruber damals fiel, 

wurde als sehr gefährlich eingestuft, 

man schüttete es zu,

es ist jetzt wirklich weg, 

nur ein Haufen Dreck erinnert an sein Lied:

 

Vielleicht ist es irgendwie besser, 

wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, 

wenn du nicht weißt, was kommt, 

wenn du keine Pläne hast, 

wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

 

Vielleicht ist es irgendwie schöner, 

wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, 

die neuen, die du triffst,

die alten, die du liebst,

das einzige, was unvergänglich ist.


5. Zeit der Wurst

Der kleine Junge an der Wursttheke

bekommt ne Scheibe Wurst und freut sich sehr,

er bedankt sich artig, seine Mutter lächelt stolz

und ich denke:

Irgendwann ist das vorbei und dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen,
dann ist die Zeit der Wurst vorbei,
dann bist du erwachsen,

dann hilft auch kein Geschrei an der Kasse,

wenn du einen Schokoriegel willst

und dein Geld zu Hause vergessen hast oder auf Diät bist,

lass den Schokoriegel los,

du bist jetzt groß.

Hey kleiner Junge, ich find's wunderbar,

wie unbeschwert du deine Wurst kaust,
und wie selbstverständlich du die Freundlichkeiten nimmst

und zuversichtlich in das Leben schaust.

 

Alle Möglichkeiten scheinen offen,

du bist ein kleiner Meister im Wünschen und Hoffen,

genieß die Zeit, du bereust es sonst nachher,

denn glaub mir:

Bald ist das vorbei und dann gibt es keine Wurst mehr!

Dann bist du erwachsen,

dann ist die Zeit der Wurst vorbei,

dann bist du erwachsen,

dann hilft auch kein Geschrei,
wenn du etwas willst und es nicht kriegst

und es versuchst und es nochmal versuchst

und es trotzdem nicht kriegst,

zum Beispiel Liebe,

lass das Wollen los,

du bist jetzt groß.

Dem kleinen Jungen an der Wursttheke

fällt der Rest der Scheibe Wurst aus der Hand, oh nein,

er sieht ganz traurig, wie sie auf den Kacheln liegt

und ärgert sich leicht in sich hinein. 

 

Die Frau hinter der Theke sagt: Das macht nichts,

ich werd dir gleich eine neue geben.

Doch die Mutter sagt: Nein! Das werden sie nicht,

mein Junge lernt hier jetzt etwas für's Leben.

 

Sie sagt: Junge, wenn du etwas hast,

dann halt dich mit ganzer Kraft daran fest,

denn wenn du es verlierst, dann ist es weg,

und denk daran, Fehler verzeiht man dir nicht.

 

Sie sagt: Das klingt jetzt hart mein Junge,

doch so ist es eben,

nur wenn du härter bist als andre kommst du weiter im Leben,

du lernst das besser jetzt, weil die Welt dich sonst zerbricht,
und ich denke:
So schön, wie ich dachte, ist deine Kindheit doch nicht!

Doch bald bist du erwachsen,

dann ist die Zeit der Wurst vorbei,
dann bist du erwachsen,

sehn sie schon mal herbei,

diese Zeit, in der du mit ein bisschen Glück lernst,

dass das alles nicht stimmt,

dass es wirklich nicht stimmt,

was man dir erzählt hat,

lass es schon mal gehn und du wirst ...

sehn, dass du nicht nur ne Scheibe Wurst verlierst,

sondern noch viel mehr, das ist klar,
und es stimmt nicht, dass du keine Fehler machen darfst,

du musst es sogar,
und weil ich jetzt schon so klinge,
wie Cat Stevens in den siebziger Jahrn,
just relax, take it easy,

und du wirst irgendwann erfahrn,

dass du nicht ewig alles werden kannst,

irgendwann sind die Möglichkeiten zu,

und das was übrig bleibt, das magst du dann besser,

denn das was übrig bleibt, das bist du,
zum Beispiel kannste mit Anfang vierzig
kein Konzertpianist mehr werden,
weil die können schon alles alles alles,
bevor sie sich überhaupt an der Musikhochschule bewerben,
außer du bist bereits Konzertpianist,
aber auch dann kannst du's ja nicht mehr werden,
denn das, was du bist,
ist ja schon Konzertpianist,
aber auch die sind nicht immer glücklich,
die sind oft Alkoholiker,
weil Musiker sind oft Alkoholiker,
das hat mir'n Freund von der Musikhochschule erzählt,
die sind zwar kreativ und verdienen gutes Geld
und sehn viel von der Welt,
darum macht es einen ja auch so betroffen,
nach den Konzerten wird immer gesoffen

zum Runterkommen,
und wenn der Abend dann vorbei ist,

wird ne Flasche Champagner

mit aufs Hotelzimmer genommen,

und weil er dann da ganz alleine ist,

der Konzertpianist, mit seiner Musik im Kopf,

trinkt er den Champagner leer,

dann hört er die Musik nicht mehr,

dann ist es endlich still, endlich still -
 worauf ich aber eigentlich hinauswill:

Bald bist du erwachsen,

dann ist die Zeit der Wurst vorbei,
dann bist du erwachsen,

sehn sie schon mal herbei,

diese Zeit, in der du lernst,

dass du alles, was du liebst,

irgendwann mal verlierst

und es dann wirklich verlierst,

tja, lass es schon mal los

und du bist groß.


6. Tischtennisplatten

Zerrissene Jeans
und jede Woche eine neue Haarfarbe,
Grün ging gar nicht, aber Blau,
das sah gut aus und das wächst ja raus.

Weißte noch Susanne?
Die musste um 18 Uhr zu Hause sein,
Susanne sagte zu allem: amen und ja, 
wir sagten zu allem: nein, auch zu Susanne.

Die Stadt in der Nacht,

eine erste Zigarette auf dem Spielplatz,

wir kickten Coladosen gegen die Wand,

Jugend ohne Zukunft, Welt ohne Dosenpfand.

Wir lagen auf Tischtennisplatten 

und sahen in den Wolken nur Wolken, 

das wär' jetzt ein Problem,

aber früher war das schön.


Das Leben ist kein Kampf,
das Leben ist Lachen und Alf zitiern,
Sommerferien und Wassereis, 
auf 'ne frisch gestrichne Wand ein paar Sprüche schmiern.

Tage im Wald,
ein Skateboard und aufgeschlagene Knie, 
in deinem Keller wohnte Pennywise,
wir werden ihn besiegen, wir wussten schon wie, 

aber erstmal mit ein paar Groschen 
zum Kaugummiautomaten an der Ecke,
warmer Regen und Erdbeergeschmack, 
man weiß halt nur was man hat, wenn man es hat.

Wir lagen auf Tischtennisplatten 

und sahen in den Wolken nur Wolken, 

das wär' jetzt ein Problem, 

aber früher war das schön.

Wir konnten alle Lieder von Meat Loaf mitsingen, 

auch die ganz langen,  das musste erstmal bringen,
zwölf Minuten ein einziger Song, 

when everything's right, nothing is wrong. 

Leere Zimmer,
die Poster aus der Bravo längst im Altpapier, 
die Freundschaftsbändchen fielen von alleine ab, 
am Bahnbann ein Graffiti: Wir waren hier. 

Ein erstes Tattoo 

und Jahre später immer noch wissen: 

niemand konnte was wir wirklich sind zerstörn,

spul mal zurück, ich will das Lied nochmal hörn.

Wir lagen auf Tischtennisplatten 

und sahen in den Wolken nur Wolken, 

das wär' jetzt ein Problem, 

aber früher war das schön.

Es ist wirklich vorbei, 

doch wir waren da, 

objects in rear view mirror may appear closer than they are. 


7. Pommes

Beim ersten Salat hab ich gedacht:

das ist ne gute Idee, das ist gesund,
beim zweiten Salat hab ich gedacht:
das ist jetzt wichtig nach deinem ärztlichen Befund.

Deine Fett- und Cholesterinwerte sind metaphysisch,
dein Zucker an der Grenze zu kritisch,
du sagtest: Schatz, so geht das nicht weiter,
ab jetzt achte ich auf meinen Körper.

Ich sagte: Hey, das ist sicherlich nicht verkehrt,
wir habn uns viel zu lange postfaktisch ernährt,
gib mir noch ne Gurke, schäl mir noch ne Banane,
ein Hoch auf deine Gewichtsabnahme!

Doch beim dritten Salat hab ich gemerkt:
das reicht nicht aus, ich brauche mehr,
Salat macht mich nicht glücklich und satt,

dich schon, ich liebe dich zwar sehr,

und will dich in allem, was du tust, supporten,
nur leider verteufelst du alle Brotsorten,
Kohlenhydrate, sagst du, sind unser Feind,
und im Kampf gegen ihn sind wir beide vereint.

Ich nicke und ich lächle und ich weiß, dass ich lüge,
weil ich dich schon längst betrüge,
denn immer nachts, wenn du schläfst,
schleiche ich mich aus dem Haus und esse heimlich ...

Pommes und nen Burger dazu,
Pommes und ne Pizza dazu,
Pommes und nen Döner dazu,
Pommes mit Mayo.

Ich esse heimlich Pommes im Straßenverkauf,
Pommes, ich bin ja auch nicht stolz drauf,
Pommes, jede Nacht, denn der einzige Imbiss,
der so spät noch auf hat, verkauft Pommes mit Mayo.

Das geht jetzt schon ne ganze Weile so,
ich fürchte, langsam schöpfst du Verdacht,
du fragst mich: Sag mal, hast du zugenommen
von Salat, wie hast du das gemacht?

Ich sage: Ja, das kann schon sein, äh, ich bin ja auch kleiner,
und mein Grundumsatz ist viel geringer als deiner,
ernährungsphysiologisch macht das bei mir Sinn,
wenn ich weniger esse, werd ich erstmal dicker und nicht dünn,

weil mein Körper alles speichert als sei Hungesnot,
du sagst: Du liebe Güte, dann iss doch ein paar Scheiben Brot,
ich sage: Nein, Brot ist der Feind und der Feind ist besiegt,
du sagst: Dann iss doch mal ne Pommes, die hast du früher so geliebt,

da werde ich blass und ich fange an zu schwitzen
und ich denk an all die heimlichen Pommes, Burger, Pizzen,
ich sage: Nein, dem Fastfood hab ich für dich entsagt,
ich lieb dich mehr als Pommes und das ist ein Fakt,
da schaust du mich an, so verliebt wie nie,
und ich schäm mich für jede ...

Pommes, die ich heimlich verzehrte,
Pommes, dieser Zerfall meiner Werte,
Pommes, ich bin zu weit gegangen,
nämlich hin zu all den nächtlichen, heimlichen Pommes mit Mayo.

Iss doch mal ne Pommes,
das wär mein Ausweg gewesen,
Pommes, warum musst ich weiter lügen?
Pommes, jetzt komm ich hier nicht mehr raus
aus diesem Doppelspiel aus Verrat und Intrigen
und Pommes mit Mayo.

Die nächste Nacht und wieder lieg ich wach neben dir,
und hab nur eins im Sinn,
eine Stimme in mir flüstert leise: Bleib hier,
eine andre schreit: Geh hin!

Zu dem Imbiss an der Ecke,
man erwartet dich dort,
jetzt lass doch all deine Gewissensbisse fort,
beiß lieber in nen Burger und genieß das Frittierte,
weil noch niemand, der genießt, sich wirklich irrte.

Ich schleich mich aus dem Haus, oh ich tu's also wieder,
ein voller Mond schaut enttäuscht auf mich nieder,
und auf meinem Weg wird mir klar,
was ich zu dir sagte ist nicht wahr, denn ich liebe ...

Pommes ganz genau so wie dich,
Pommes, ich bin jetzt endlich ehrlich,
Pommes füll'n eine Leere in mir aus,
oh diese knusprige, salzige Wärme einer Pommes.

Es wäre sicher anders, wenn es wirklich um was ginge,
wenn du und eine Pommes an einem Abgrund hingen,
dann würde ich dich retten, alles andre wär brutal,
denn Pommes krieg ich immer wieder, dich gibt's nur einmal.


Vielleicht ist mein Geständnis auch der Beginn von unsrem Ende,

weil ich schon ganz bald keine Ausreden mehr fände,

für die Kilos auf den Hüften und die Pickel im Gesicht,

und dann müsste diese Wahrheit neben den Salat auf den Tisch:

 

Du hast gesagt, du liebst mich,

und ich sagte: Ich dich auch,

das war vielleicht zu leicht,

so leicht wie meine Antwort: Mayo,

auf die Frage: Kommt was drauf?


8. Bukowski

Deine traurigen Augen beeindrucken mich nicht mehr,

und deine gelben Finger von all den selbstgedrehten Zigaretten

streichen nie mehr über meinen Rücken,

es tut mir ja auch leid, dass ich das jetzt weiß.


Du bist schon ziemlich lang hier,

nicht dass du wieder Ärger zu Hause bekommst,

deine Verlobte glaubst du bist beim Fußball mit den Jungs

und nicht hier bei mir,

und ich ziehe meine Hand weg,

nach der du greifst, es tut mir ja auch leid.


Warum lässt du dich nicht lieben?
hast du gefragt und du fragst es mich wieder,
sorry, dass ist Bullshit, mein Freund,
nur weil du selbst kaputt bist, müssen's andre nicht sein,
die Wunde ist jetzt eine Waffe

und du bist der erste, der in ihren Lauf blickt.

Was hätte Charles Bukowski dazu gesagt,

zu der Wohnlandschaft und zu dem Mixer,

mit dem du dir jeden Morgen einen Smoothie machst?

Smoothies sind gesund, sagst du, und weinst,
lüg doch nicht, du weinst.

Hinterm Aldi gab's ne Wiese,

da lagen wir im Sommer vor Jahren nachts um drei,

du wolltest nie so sein wie jetzt,

doch dann war das Nie schon vorbei.

Die Wiese ist jetzt'n Parkplatz von nem Baumarkt,
also wenn du mich fragst,
früher wussten wir alles,

alles, was zählte, und wir hatten es.

Warum bist du nicht geblieben?
hab ich mich gefragt und ich frag es nie wieder,
denn so wie's jetzt ist, ist es ganz gut,
nur weil du aufgegeben hast, haben andre jetzt Mut,
die Wunde ist jetzt eine Waffe

und du bist der erste, der in ihren Lauf blickt.

Was hätte Charles Bukowski dazu gesagt,

zu der Wohnlandschaft und zu dem Mixer,

mit dem du dir jeden Morgen einen Smoothie machst?

Smoothies sind gesund, sagst du, und weinst,
lüg doch nicht, du weinst.


Komm ich nehme dich mit,

dann vergessen wir alles, was uns kaputt macht,
komm ich nehme dich mit und dann lachen wir über alles,

worüber man nicht lacht.

 

Waren das meine Worte,

die du jetzt als Versprechen missverstehst?

 

Dein Glück liegt jetzt in deiner Hand, mein Freund,

und wenn's da nicht liegt, kann ich dir auch nicht helfen,
sorry, jeder sucht jetzt für sich,

nur weil du deins nicht findest, werd ich trotzdem glücklich,

die Wunde ist jetzt eine Waffee

und du bist der Erste, der in ihren Lauf blickt.

Was hätte Charles Bukowski dazu gesagt,

zu der Wohnlandschaft und zu dem Mixer,

mit dem du dir jeden Morgen einen Smoothie machst?

Smoothies sind gesund, sagst du, und weinst,
lüg doch nicht, du weinst.


9. Betrunken und allein

Ich will dir nicht den Abend verderben,
du hast es hier so schön gemacht
mit den Kerzen und dem andern Kram.
Serviettenringe, geht's noch,
und ne Deko auf dem Tisch.

Das hast du von dem Typen aus dem Nachmittagsprogramm,
der Typ, der die Blumen falten kann,
Ikebana für Verzweifelte, denk ich noch,
und weiß schon, wo das hinführt:

zu nem Kater und ner fahlen Erinnerung morgens in der Bahn,
was hab ich nur gedacht? was hab ich getan?
hab Zukunft gespielt, wo keine ist,
ich brauch jetzt erstmal nen Kaffee.

Ich war betrunken und allein,
jetzt bin ich nüchtern
und ich weiß, du sollst es nicht sein,
ich hätte dir nicht sagen soll'n, dass ich dich liebe,
so'n Scheiß passiert mir immer wieder.

Ich will uns jetzt den Tag nicht verderben,
die Gäste sind schon alle da
und wir hier vor dem Traualtar,
bereit, gleich ja zu sagen und dann gibt es kein Zurück.

Wir schneiden dann gemeinsam die Hochzeitstorte an

und alles applaudiert und alles tanzt,
ich lächle viel, denn niemand soll die Tränen sehn,
ich hab schon Angst vor den Fotos.

Dann kommt noch jemand auf die glohrreiche Idee,
wie wär's mit einer Rede vor dem Büfett,
du sprichst von unsrer Liebe auf den ersten Blick
und ich brauch noch nen Whiskey.

Ich war betrunken und allein,
jetzt bin ich betrunken
und ich weiß, du sollst es nicht sein,
ich hätte dir nicht sagen soll'n, dass ich dich liebe,
so'n Scheiß passiert mir immer wieder.

Ich will uns jetzt nicht alles verderben,
Wir haben es uns hier so schön gemacht

mit dem Reihenhaus, dem Solarzellendach,
die Fische im Teich haben Namen und die Kinder sind echt süß.

Wir beide mögen unsere Arbeit wirklich sehr,
wir fahren in die Berge, fahren ans Meer,
wir laden unsere Freunde zum Essen ein,
ich glaub, das nennt man glücklich.

Nur manchmal schaust du mich mit deinen treuen Augen an,
da weiß ich nicht, wie so was passieren kann,
dass man ohne zu lieben bei jemandem bleibt,
ich hoffe nur, du merkst nichts.

Ich war betrunken und allein,
jetzt bin ich oft betrunken,
denn ich weiß, so soll es nicht sein,
ich hätte dir nie sagen soll'n, dass ich dich liebe,
so'n Scheiß passiert mir immer wieder.

Hinterher ist man immer klug,
ich stoße an auf den Selbstbetrug,
auf das große Vergessen, wer ich bin,
nicht schlimm, ich wüsste ja gar nicht wohin,
als zu dir in das Reihenhaus.

Ich war betrunken und allein,
jetzt steh ich hier
und würde gerne nochmal jung sein,
ich hätte dir nie sagen soll'n, dass ich dich liebe,
so'n Scheiß passiert mir nie mehr wieder.


10. Wenn du gehst

Wenn du gehst,
bitte zieh hinter dir die Tür zu,
sonst läuft der Kater in den Flur. 

Wenn du gehst,
bitte nimm dein Zeug aus dem Bad mit,
die Zahnbürste und den Schaum für deine Rasur.

Denn wenn ich das morgen früh sehe,
werde ich traurig,
und traurig will ich ab sofort nicht mehr sein.

Wenn du gehst,
bitte knibbel unten deinen Namen ab,
vom Briefkasten und vom Klingelschild.

Du hast zu mir gesagt,
dass man sich ändern kann,
von einem Tag auf den nächsten und ich sagte:
ne, das geht nicht.

Empirische Wissenschaften haben herausgefunden,
du brauchst mindestens neunzig Tage,
bis sich was Neues etabliert.

Frag mal Raucher oder Leute, die ihre Ernährung umstellen,
die folgen Neunzig-Tage-Programmen,
das hat ja auch nen Grund, mmh.

Aber jetzt ist das anders,
ich widerleg die alle,
du gehst hier durch die Tür und bist weg
und dann gab es dich nie in meinem Leben,
so einfach ist das, ha ha, so einfach ist das, ha ha.

Wenn du gehst,
bitte nimm die dreckigen Socken mit,
aus dem Wäschekorb hinter dem Bett.

 

Wenn du gehst,
bitte schau noch mal in den Kleiderschrank,
ich glaube, da drin steht noch das Raclette.

 

Das schenkten uns Klaus und Jutta zu unserer Hochzeit,

sie haben es nur gut mit uns gemeint.

 

Wenn du gehst,
bitte nimm das scheiß Raclette mit,
geschmolzener Käse ist nichts, was uns jetzt noch eint.

Du hast zu mir gesagt, dass das für immer ist,

was zwischen uns passiert ist

und ich dachte: für immer ist gruselig,
für immer ist fast schlimmer als gar nicht,
weil du aus so ner Ewigkeit nicht mehr herauskommst,
im Nichts hast du die Problematik nicht,
frag mal Philosophen
oder Leute, die ihre Ernährung umstellen,
die streben das ja auch an für immer
und scheitern dann daran, mmh.

Und irgendwie ist das komisch,
vielleicht lachen wir auch mal drüber,
du nimmst mehr als du geben kannst
und am Ende haste dann gar nichts mehr,
so einfach ist  das, ha ha, so einfach ist das, ha ha.


11. Liebeslied in drei Minuten

Ich beneide alle, die das können,
die Lyrik so dicht und die sich nicht verrennen,
wo die Reime immer passen,
die zum Beispiel nicht 'können' auf 'rennen' reimen,
denn 'können' und 'rennen' haben nichts gemeinsam.

Außer dass man wegrennt,
wenn man nicht mehr kann,
oder eigentlich kann man,
aber man rennt trotzdem weg,

weil man in der Kindheit, in der Kindheit,
oh immer in der Kindheit,
gelernt hat, dass man besser nicht bleibt,
wir haben nicht mehr viel Zeit.

Das ist mein Liebeslied in drei Minuten,
Schreiben ist einfach, hat Ernest Hemingway mal gesagt,
man muss sich einfach nur hinsetzen und bluten, bluten.

Ich blute nicht mehr,
die Wunden sind alle verheilt,
dank dir, ohne dich wär ich nicht hier.

Ich beneine alle, die das wirklich können,
Gitarre spielen und singen,
dieses Lied hat nur drei Akkorde
und ich klinge wie ein Muppet auf Koks,
und ich muss auch gleich los.

Das war mein Liebeslied in drei Minuten,
von zu viel Emotionen krieg ich Nasenbluten,
und dann hätte Ernest Hemingway
am Ende doch noch Recht gehabt,
daher sage ich nur: danke und gute Nacht,
gute Nacht, danke und gute Nacht.


12. Mehr so viel mehr

Der Obdachlose am Zülpicher Platz sagt,
er kontrolliert das Wetter,
er heißt Jürgen und hatte mal alles,
Job, Familie, trotzdem geht es ihm jetzt besser, sagt er.

Sein Hund heißt Whiskey
und er fragt nach einem Euro für Whiskey
und lächelt ohne Zähne
und wünscht ohne Vorwurf einen schönen Tag.

Nachts vorm Café, die Straße dampft vom Sommerregen,
es war schön, die Musik, die Menschen,
niemand war dagegen, dass man lebt.

Wir stehn noch zusammen,
du weichst einem schweren Tropfen aus
und sagst: hoffentlich hab ich diese Nacht keine Angst
und dann tanzt du nach Haus.

Vielleicht sind's diese Nächte,
in denen alles so einfach ist,
in denen dir klar wird, alles, was du suchst, ist längst da.

In denen du spürst,
dass dein Weglaufen vergebens war,
denn alles, was wahr war, ist noch wahr.

Und wer lacht, hat meistens Wunden,
und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut,
wer die Töne nicht trifft, weiß zumindest, dass es Töne gibt
und mehr, so viel mehr
als die Stille und das Schweigen und die Lügen.

Und wer fühlt, was wirklich ist,

fühlt sofort, dass es weh tut,

denn was schön ist und weh tut ist, ist wahr.

Ich bin sicher nicht für immer da,

aber jetzt gerade ganz bestimmt

und jetzt auch noch und zumindest so lange dieses Lied erklingt.

Simone wurde wieder verlassen

und kauft sich zwei Kilo Ernusseis,

sie sagt: Das hilft zwar nicht gegen die Einsamkeit,

aber für heute Nacht reicht's,
sie gibt Jürgen zwei Euro für Whiskey und grinst,

ach wir sind mehr, so viel mehr als das, was man uns nimmt.

Nachts am großen Fluss,
die Brücke bebt, die Möwen schrein,
es war schön, wie ein Anfang schön ist,
und hey, so schön kann's immer wieder sein,
du sagtest: schau in den Himmel,
ich glaube, gleich geht der große Regen los,
und zum Glück haben wir weder Schirme noch ein Zuhause
und ich lass dich nicht los.

Vielleicht sind's diese Nächte,
in denen alles wieder möglich ist,
in denen du nass bist und glücklich und froh,
dass es dich hier noch gibt,
weil das Leben dich mehr liebt,
als du das Leben immer lieben konntest und das ist völlig okay.

Und wer lacht, hat meistens Wunden,
und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut,
wer die Melodie vergeigt,
schafft vielleicht nichts, was gleich bleibt,
aber versuchen und scheitern gehörn am Anfang
und überhaupt dazu. 

Und wer fühlt, was wirklich ist,
fühlt sofort, dass es weh tut,
denn was schön ist und weh tut ist, ist wahr,
du bist sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt
und jetzt auch noch und zumindest so lange unser Lied erklingt.

Und wer lacht, hat meistens Wunden,
und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut,
wer das Tempo übertreibt,
weiß vielleicht nicht so viel über Zeit,
wie jemand, der perfekt im Tempo bleiben kann,


doch die Momente,
in denen dein Herz schneller schlägt als sonst,
auf die kommt es vielleicht an.


13. Immer Sommer


Das Jahr ist fast zu Ende und und es ist wieder kälter
und wir sind wieder älter,
an den Bäumen keine Blätter, wie kommst du damit klar,
dass mal Sommer war, dass gerade Sommer war?

Und du vielleicht nicht genug am See warst,
dir wieder nicht im Erdbeerfeld nen Sonnenbrand geholt hast,
nur einmal lagst du den ganzen Tag im Park und sahst


im tiefen Gras nen Käfer, der krabbelte da rum
und du dachtest: dumm, dass das alles mal verschwindet,
noch ist es da, noch ein Jahr und noch ein Jahr, und nur noch Ja

zu dem, was war, das ist halt da,
und zu dem, was kommt, das kommt halt, wie es kommt,
und jemand singt: es lohnt sich,

zu zeigen, was du bis her so gut versteckt hast.

Du wippst mit dem Fuß, Konfetti auf dem Schuh
von letzter Nacht, wie hast du das gemacht,
dass du noch lachst, dass du immer so viel lachst,
nach dem, was du erlebt hast, wie hast du das gemacht?

Manche sind stärker, manche sind härter,
manche kommen zur Party halt später,
manche bleiben bis zum Schluss
und mache müssen früher los, und alle so:

bleib doch noch, es ist noch Kuchen da, noch ein Jahr,
das ist der letzte Winter, das letzte Mal frieren,
das letzte Mal spüren: da fehlt noch was,
das letzte Mal: ich hoffe, dass ich nichts verpass.

Denn bald ist es wie auf Google Maps immer Sommer,
dann wirst du nicht mehr sagen: komm mal her zu mir,
denn ich bin bei dir und alles, was du brauchst, ist auch hier,
du darfst dir alles nehmen, um es in dir zu verwandeln
und es wieder fortzugeben, einfach leben, nicht nur überleben.

Dann ist es wie auf Google Maps immer Sommer.

Dann ist es wie bei Walking Dead immer Sommer,
außer am Ende der neunten Staffel, da ist Winter,
bei Walking Dead ist Winter,
und wir haben's schon geahnt, denn Alpha sagte:
it's gonna be sweater weather soon.

Und dann entführt sie zehn unserer Heldinnen und Helden
und tötet neun von ihnen, uhh, Spoiler Alert,
doch sehenswert, wie Neagan im Schneesturm Judith rettet,
und dann gibt es bei Walking Dead eine Schneeballschlacht,
wer hätte das gedacht.

Und am Anfang der zehnten Staffel ist wieder Sommer,
dann ist es wie bei Walking Dead wieder Sommer,
dann ist es wie bei Walking Dead immer wieder Sommer.


14. Dann bin ich halt U


Sorry, dass ich wieder in der Oper eingeschlafen bin,
ich hab dir doch gesagt: Geh da nicht mit mir hin,
nimm lieber den Lutz mit, hab ich gesagt,
weil der Lutz im Gegensatz zu mir Oper mag.

Du wedeltest die Karten vor mir herum
und sagtest: Komm, jetzt sei doch nicht dumm,
das sind die allerbesten Sitzplätze im Haus,
für Hochkultur geb ich gern was aus.

Jetzt steht ich hier im Abendkleid im Foyer
und du sagst: Es tut dir total weh,
dass ich immer so indifferent gegenüber allem bin, was dich berührt.

Und ich sag: Berührt? Du hast weder geweint noch gelacht,
du hast doch gar nichts gespürt. Und du sagst: Innerlich.

Und ich sag: Fick dich. Und: Was ein toller Abend.
Außerdem hab ich nur geschlafen, das hat keiner mitbekommen,
und du sagst: Doch alle, das war peinlich.
Und ich sag: Weißt du, durch dich hat der Begriff 'kulturelle Szene' gerade ne neue Bedeutung angenommen.

Wir holen unsre Mäntel und gehen vor die Tür
und ich frag mich: Was wird das hier mit dir und mir?
Es hat geregnet und die Straße glitzert nass
und ich frag dich: Geh'n wir jetzt noch was trinken, oder was?

Du sagst, du hast zwar nen Tisch reserviert bei Giovanni für uns zwei,
aber weil ich mich immer so daneben benehme ist es jetzt vorbei.
Und ich frag: Vorbei? Meinst du diesen Abend oder uns so generell?
Und du sagst: Generell.
Und ich sag: Ach super, das ging dann doch ziemlich schnell.

Dann wünsch ich dir noch ein schönes Leben,
Glück und die Liebe oben drauf.
Ich muss dann jetzt auch los, oh, der Rewe hat noch auf!

Ich dreh mich um, will gehen, doch da legst du nochmal nach
und sagst: Ich kann halt nicht mit jemandem zusammen sein,
der echte Kunst nicht mag.

Ich frag: Was meinst du mit echter Kunst?
Du sagst: Na ernste Kunst, nicht nur Unterhaltung.
Ich sag: Ach so, dieses alte Lied, du meinst die E- und U-Spaltung.
Da geh ich jetzt nicht weiter drauf ein, denn ich find das ziemlich blöd,
ich mach mich auf zum Rewe und ich singe dieses Löd ...

Dann bin ich halt U und du bist E,
weißt du, mir tut das gar nicht mal so weh,
einfach mal einzugestehn, dass gute Kunst nicht bedeutet zu leiden.

Dann bin ich halt U und du bist E,
wenn mich was nicht berührt, dann sag ich halt: Ne,
und mir ist es egal ob alle anderen sagen:
Du, das ist aber total intelligent.

Dann bin ich halt U und du bist E,
wenn du diese Einteilung brauchst, ist das okay,
aber ich kann zum Beispiel den ganzen Tag die Sonaten von Paul Hindemith hören und zugleich die Avengers gut finden und zwar alle 23 Filme außer vielleicht Ant Man und Hulk mit Edward Norton.